Forschen heilt Krebs - Erfolge öffentlich machen

NEWSPRESSEGESPRÄCH 09.12.2010
Spannungsfeld Kinderkrebs: Politisches Handeln in Österreich ist gefordert

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Survivors' GroßglocknerTour 2009

Letzte Aktualisierung am: 21.09.2009

Vom Kinderkrebs Geheilte erklimmen höchsten Berg Österreichs. Ganz normal.

EU-Projekt: „Forschen heilt Krebs“ schafft Wissen mit Großglockner-Aktion

Wien – Ein tatkräftiges Zeichen zu setzen und jungen Menschen mit Krebs Hoffnung und Mut zu geben, war das Ziel der Großglockner-Aktion mit ehemaligen Kinderkrebs-Patienten. Die Öffentlichkeit soll für Kinderkrebs vermehrt sensibilisiert werden. 

Noch vor vierzig Jahren galt Krebs bei Kindern und Jugendlichen nahezu als Todesurteil. Dank rasanter Fortschritte in der Medizin und Forschung können heute drei Viertel der Betroffenen geheilt werden. Dennoch kämpfen Kinderkrebs-Überlebende (=Survivors) für eine adäquate Unterstützung und Langzeitnachsorge. Stigmatisierung und schlechtere Jobchancen durch diffuse Vorurteile in der Gesellschaft sind Alltag.

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Steigeisen, Klettergurt und optimales Sportequipment wurden vom Österreichischen Gebirgsverein und Hervis bereitgestellt

(Wien 14.09.2009) Am 6. September starteten acht junge Menschen von Kals in Osttirol aus ihre fünftägige Großglocknertour. Sie alle hatten als Kinder oder Jugendliche Krebs. Heute sind sie geheilt. Im Team der Langzeitüberlebenden, die man weltweit auch „Survivors“ nennt: Mitarbeiter des St. Anna Kinderspitals, der St. Anna Kinderkrebsforschung, Bergführer, eine Psychologin und ein Kamerateam der Otto Pammer Filmproduktion (= "Forschen heilt Krebs"-Projektpartner). 

Die Tour wurde als Aktion des EU-geförderten Projektes „Forschen heilt Krebs“ von der St. Anna Kinderkrebsforschung organisiert.

Alpinabenteuer Großglockner

  1. Tourtag

Bereits die erste Touretappe, ein 5-Stundenmarsch mit schweren Rucksäcken vom Lucknerhaus in 1.918 Metern Höhe über die Glorerhütte zur Salmhütte, gab den Alpinneulingen eine Vorahnung auf ihr bevorstehendes, kräfteraubendes Abenteuer. Doch der Aufstieg zur ältesten hochalpinen Schutzhütte der Ostalpen in 2.644 Metern Höhe belohnte auch mit einzigartiger Nähe zur Natur, führte vorbei an Wiesen mit Edelweiß, Enzian, grasenden Kühen, Schafen und pfeifenden Murmeltieren.

 

Bild des Anstiegs   2. Tourtag

Hochmotiviert bewältigten die Alpinneulinge am zweiten Tag ein Gletschertraining, Trittschulungen auf diversen Felsarten und gewannen Vertrauen in die Trittfestigkeit ihrer Bergschuhe. Auch das Anlegen und die Verwendung von Klettergurt und Steigeisen sowie das korrekte Gehen in einer Seilschaft musste erst erlernt werden.

 

  3. Tourtag

Nach der zweiten gut überstandenen Nacht im Matratzenlager der Salmhütte erwartete die Gruppe ein kräftezehrender Aufstieg zur höchst gelegenen Schutzhütte Österreichs: der Erzherzog-Johann-Hütte in 3.454 Metern Höhe. Bei dem Bewältigen von insgesamt 816 Höhenmetern über Schutthänge, plattige Felsstufen, dem versicherten Klettersteig zur Hohenwartscharte und dem Queren des verschneiten Hofmannskees aufwärts zur Adlersruhe überschlugen sich bei den Tourgehern die Emotionen. Körperliche Erschöpfung, Erleichterung, es soweit geschafft zu haben, Vorfreude, Respekt und Angst vor dem greifbar nahen Ziel, dem Gipfel, wechselten einander ab.

 

Bild des Anstiegs   4. Tourtag - Erreichen des   Gipfelkreuzes (3.798 Meter Höhe)

Am vierten Tourtag, Mittwoch, den 9. September, marschierte die Gruppe, gesichert in vier Seilschaften, von der Adlersruhe aus ein leicht ansteigendes Schneefeld hinauf, welches schließlich in Serpentinen über das teilweise bis zu vierzig Grad steile und vereiste „Glocknerleitl“ zum „Sattele“ führte. Motiviert und unterstützt durch ihre Bergführer, Hans Thurner, Martin Arbter, Toni Rappersberger, Willi Seebacher und Peter Tembler, bezwangen die ehemaligen Kinderkrebspatienten den Kleinglockner, überquerten die schmale Glocknerscharte und erreichten schließlich mit wackeligen Knien, aber freudestrahlend und überaus stolz das Gipfelkreuz des Großglockners in 3.798 Metern Höhe.

 

Die Seilschaften beinhalten auch eine gewisse Symbolik: Ebenso unterstützen Klinikpersonal und Familien Kinder und Jugendliche mit Krebs während deren oft langwierigen und belastenden Chemo- und Strahlentherapien, Knochenmarkstransplantationen und Operationen.

 

Die Bergführer waren trotz anfänglicher Skepsis beim Betrauen mit dem Projekt von der geballten Willenskraft, Zielstrebigkeit und Ausdauer der „Survivors“ tief beeindruckt.

 

Lisbeth, 17 jährige, ehemalige Kinderkrebspatientin„Das, was ich durch den Krebs und die Therapie gelernt habe, Durchhaltevermögen, Beharrlichkeit, Antihoffnungslosigkeit, versuche ich im Alltag zu nützen. So habe ich all das wenigstens nicht umsonst durchgemacht“,

erklärte Lisbeth, 17 Jahre alt. Ihre Neuroblastomerkrankung im Alter von zwei Jahren konnte geheilt werden. Die Folgen: eine Hochtonschwerhörigkeit. Dennoch meistert die Siebzehnjährige ihr Leben wie „normale“ Jugendliche, geht Mountain biken, bergwandern, macht gerade ihren Führerschein und ihre Matura.

 

 

„Normalität“ durch Akzeptanz der Gesellschaft

Die Teilnehmer aus Österreich, Deutschland, Polen und der Slowakei im Alter von siebzehn bis sechsunddreißig fordern „normale“ Behandlung und gleichberechtigten Zugang zu Ausbildungs- und Arbeitsplätzen, Privat- oder Zusatzkrankenversicherungen und Lebensversicherungen.

 

Günther, 36 Jahre alt, Survivor„Als Kleinkind hatte ich Krebs. Heute habe ich einen Job, bin geheilt und keinesfalls ein Risikofall. Meine Wahrscheinlichkeit, erneut an Krebs zu erkranken, ist im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung gleich hoch“,

so Günther, 36 Jahre alt. Mit Respekt und einem gesunden Grad an Angst, aber auch überaus berauscht von seiner eigenen Leistung erreichte er mit seinen Bergkollegen das Gipfelkreuz.

 

 

 

 

Sebastian, SurvivorSebastian, heute 21 Jahre alt, kehrte nach Abschluss seiner Stammzelltransplantation am St. Anna Kinderspital in seinen Job als Bürokaufmannslehrling zurück, wurde aber kurz darauf unter fadenscheinigen Argumenten entlassen. Enttäuscht erklärte er:

 

"Meine Erfahrungen nach meiner Krebserkrankung mit den Mitmenschen an meinem Arbeitsplatz waren schrecklich und grausam. Oberflächlichkeit, Ignoranz und grässliche verbale Beschimpfungen kennzeichneten meine Rückkehr ins normale Leben. Ich denke, dass die Menschen in unserer Gesellschaft mit schwerwiegenden Erkrankungen, bei denen der Tod eine riesengroße Rolle spielt, nicht umgehen können. Ich hatte oft das Gefühl, ein Mensch zweiter Klasse zu sein."

 

Sebastian ist passionierter Leichtathletiksportler und Fußballer. Während seiner langwierigen Therapie war sein Wunsch, wieder in den Sport zurückkehren zu können, mitunter seine einzige Motivation, die ihn vieles aushalten ließ.

 

Verbesserung der Langzeitnachsorge

Die meisten „Survivors“ in Europa sind nach fünf bis zehn Jahren nicht mehr in einem einheitlich koordinierten Nachsorgesystem erfasst. Zu klären ist, wer beim Auftreten möglicher Therapiespätfolgen zuständig ist.

 

Doz. Dr. Michael Dworzak, Kinderonkologe am St. Anna Kinderspital und Forscher der St. Anna Kinderkrebsforscher„Weltweit gibt es heute mehrere hunderttausend Kinderkrebs-Überlebende. Wir Forscher, Ärzte und die Gesellschaft müssen uns den damit verbundenen Problemen stellen“,

erläuterte Doz. Dr. Dworzak, St. Anna Kinderkrebsonkologe und -forscher

 

 

 

 

 

 

Gipfelsturm mit und ohne Handicap

Zuzana, die an einem Osteosarkom, Knochenkrebs, erkrankt war, trägt seit vier Jahren eine Endoprothese, einen künstlichen Unterschenkelknochen. Die siebenstündige Generalprobe auf die Rax war für die junge Slowakin, motiviert und unterstützt durch die Gruppe, eine Grenzerfahrung. Zum Großglockner kam Zuzana aufgrund ihrer Bewegungseinschränkung nicht mit, aber ihren persönlichen Großglockner, so kommentierte sie stolz, hatte sie für dieses Jahr bereits erreicht.

 

von links: Thomas aus Tübingen, Peter aus Wien und Lisbeth aus Graz„Raus aus dem Alltag, rauf auf den Gipfel, das ist auch ein Ausbruch aus den Klischées und der Rolle eines Krebsopfers“,

so der Tübinger Thomas, als er ausgepowert, aber überglücklich am vierten Tourtag in der Stüdlhütte auf 2.802 Metern Höhe einkehrte.

 

 

 

 

Gesichert beim Aufstieg durch die Seilschaft (von vorne) Manuela, Thomas und GüntherManuela, die mit zwanzig Jahren an Leukämie erkrankt war, ist Mitglied der österreichischen „Survivors-Gruppe“. Sie resümierte:

“Sich intensiver mit der Krankheit auseinanderzusetzen, gibt uns Kraft und Mut, dem Verlauf der Krankheit eventuell mit mehr positiver Lebenseinstellung entgegenzutreten und eine Erleichterung der Situation für Betroffene zu schaffen.“

 

 

 

 

Auch der Austausch untereinander und das Kennenlernen von Ärzten und Betreuern außerhalb der Klinik wurde von allen als Bereicherung bewertet. 

Mit Gleichgesinnten auf einen Berg hinauf ist ganz etwas anderes als mit Gleichaltrigen und nicht krank Gewesenen. Die Vertrautheit, das Zusammengehörigkeitsgefühl und das selbstverständliche Umsorgen in einer Gruppe, in der wir alle einmal ähnlich schwere Zeiten durchgemacht haben, habe ich so noch nie erlebt," so Manuela, die sich über das großartige Frühstücksbüffet und das warme Wasser auf der „Luxus-Stüdlhütte“ freute.

 

Unmittelbar nach dem Abstieg ins Tal am fünften Tag besuchten die stolzen Gipfelstürmer die Grazer Kinderkrebsstation, um den jungen Patienten und deren Eltern Hoffnung und Mut zuzusprechen, dass sich der harte Überlebenskampf auf alle Fälle lohne.

 

Ein herzliches Dankeschön unseren Fotografen und Fotografinnen!

Copyright: Ania Buchacz, Hans Thurner www.hans-thurner.at, Manuela Meduna, Johannes Renner, Toni Rappersberger, Doz. Dr. Michael Dworzak

 

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