Inhalt
MONTAGNA. SALUTE. BAMBINI.
BergE. Gesundheit. Kinder.
Letzte Aktualisierung am: 06.09.2010
den eigenen EVEREST - auch in valle camonica - erklimmen, um Leukämie- und Tumorerkrankungen zu überwinden
2003 wurde unter der Federführung der hämato-onkologischen Abteilung der Universitäts-Kinderklinik Milano-Bicocca, Monza, die Initiative "Scalare il proprio Everest anche in Valle Camonica" gestartet. Jedes Jahr wird eine Gruppe von Jugendlichen, die auf eine schwere Zeit einer abgeschlossenen Leukämie-Behandlung zurückblicken kann, eingeladen, ohne ihre Eltern eine ganz besondere Woche in Ponte di Legno, Italien, zu verbringen. In dieser Zeit werden sie sich - begleitet von ihrer eigenen Motivation - ins Hochgebirge begeben und symbolisch ihren eigenen "Everest" besteigen.
Am 10. Juli 2010 wurde die diesjährig erfolgte Bergtour (5 Juli - 9. Juli) von Ärzten, lokal ansässigen Organisatoren, passionierten Bergführern und natürlich von den Jugendlichen selbst im Rathaus von Ponte di Legno präsentiert.
Diesmal waren auch zwei junge Erwachsene (ehemalige Kinderkrebs-Patienten) aus Österreich dabei.

Statement EINES JUNGEN TEILNEHMERS
„Es war eine wunderschöne Erfahrung, nicht nur wegen dem ungemeinen Spaß, den wir miteinander hatten, sondern auch wegen der Wahnsinnslandschaft, und weil ich bei der Tour irgendwie gelernt habe, das Leben zu genießen...Nach meiner Rückkehr von Ponte di Legno haben mir meine Eltern gesagt, dass ich mich sehr verändert habe, dass ich in dieser Woche "erwachsener" geworden bin, und auch unabhängiger, hilfsbereiter und fröhlicher. “
Zitat eines Teilnehmers vom Vorjahr
Die Tour der Jungalpinisten
Verstärkt wurde die Gruppe der jungen
Alpinisten - fünf ehemalige Kinderkrebspatienten (Survivor) aus
Italien und zwei Survivor aus Österreich - durch sechs
Bergführer, eine Ärztin der Kinderklinik Monza und eine
Mitarbeiterin der St. Anna Kinderkrebsforschung aus Wien.
Montag, 5. Juli: Schnuppertag am Presena Gletscher
Nachdem am ersten Tag, einem Schnuppertag sozusagen, eine kleine Wanderung zum Presena Gletscher und ein Inspizieren der Alpin-Ausrüstung erfolgt waren, ging es am Dienstag, 6. Juli, richtig los.
Dienstag, 6. Juli: 1. Tourtag mit Übernachtung auf 2.450 Meter Höhe
Vom Passo del Tonale in 1.883 m Höhe ging es mit der Seilbahn zum Passo Paradiso und mit dem Sessellift - vorbei am Lago di Monticelli - zur Capanna Presena (2.729 m). Ab hier endeten leider die behelfsmäßigen und sehr bequemen Transportmittel. Eine lange panoramareiche und anspruchsvolle Route über den Presena-Gletscher führte zum Passo del Maroccaro in 2.975 m Höhe. Der mehrstündige Abstieg führte über viele Felsstufen und endete schließlich beim Rifugio Cittá di Trento al Mandrone (2.450 m), wo der Tag in ausgelassener Stimmung und mit dem Singen italienischer Volkslieder ausklang.
Die Schutzhütte "Cittá di Trento" befindet sich in der Nähe vieler wunderschöner Bergseen und unvweit von der Stirnseite des Adamello-Gletschers, der zu den größten und bedeutendsten Gletschern Italiens zählt. Nah zum Refugio befindet sich auch das "Centro Payer", ein glaziologisches Forschungs- und Beobachtungszentrum. Der Bereich um den Mandrone-Gletscher war Schauplatz während des 1. Weltkrieges (1915-1918). Es finden sich hier noch immer Schützengräben, Ruinen von Barackenlagern und ein kleiner Soldatenfriedhof.
Mittwoch, 7. Juli: 2. Tourtag: In Seilschaften wird der Mandrone-Gletscher bestiegen
Das Ziel des nächsten Tages war die Schutzhütte "Ai Caduti dell`Adamello" (übersetzt: Schutzhütte "zum Gedenken der Kriegsopfer vom Adamello") in 3.040 m Höhe. Dieser Tourtag begann mit einem Abstieg zum Lago d.
Mandrone (2.403 m). Der weitere Weg war gesäumt von
eindrucksvollen, tiefgrün-blau schimmernden kleinen Bergseen,
führte bergauf über plattige Felszonen und - hierbei ging die Gruppe
in Seilschaften - über das Vedretta (Firnfeld) des Mandrone empor.
Donnerstag, 8. Juli: 3. Tourtag: Energie, Durchhaltevermögen und Mut
War der Vortag schon sehr anstrengend, so verlangte dieser Tag der Gruppe wirklich sehr viel Energie und Durchhaltevermögen bei dem Queren des langgezogenen Gletscherfeldes und eine gehörige Portion Mut bei den Kletterpartien ab.
Je zwei italienische und österreichische
Jung-Alpinisten bzw. ehemalige Kinderkrebspatienten bestiegen mit
Davide, ihrem Bergführer, die steile Gletscherflanke der Cresta Croce (3.307 m Höhe). Auf diesem Kamm steht noch immer eine tonnenschwere Kanone, ein Geschütz aus dem 1. Weltkrieg.
Im langgezogenen Gletscherbecken war die gesamte Truppe dann wieder vereint. Über den Passo Brizio in 3.140 m Höhe ging es zum Rifugio Garibaldi (2.548 m), einer wunderschön gelegenen Schutzhütte, die sich zu Füßen der Nordwand des Adamello-Gletschers befindet und einen fantastischen Ausblick auf die umliegenden Gebirgsketten bietet.
Abseilübungen der Kinder und Jugendlichen von
der Staumauer des Stausees Lago d. Venerocolo vor der
Garibaldi-Schutzhütte: die Kids konnten gar nicht genug davon
bekommen und hatten eine Menge Spaß dabei.
Freitag, 9. Juli: 4. Tourtag : Retour nach Ponte di Legno zu Marco Confortola
Endlich konnte man sich wie von einer Last befreit ins Tal bewegen, denn die schweren Rucksäcke und Klettergurte mit den Karabinern, die alle bis jetzt mit sich schleppen mussten, wurden mit der Seilbahn nach unten befördert. So ging es durch eine bezaubernde Naturlandschaft vorbei am Lago Benedetto und Lago d`Avio nach Malga Caldea und schließlich zurück nach Ponte di Legno.
Abends referierte der italienische Extremsportler und K2-Bezwinger Marco Confortale in seinem Vortrag "L`Esperienza sul K2" unter anderem auch über
sein Projekt, bei dem er Kinder und Jugendliche für das
Bergsteigen begeistert und adäquat trainiert bzw. ausbildet. ![]()
Samstag, 10. Juli: Montagna. Salute. Bambini
Im Rathaus von Ponte di Legno wurde in einem
festlichen Rahmen die von pädiatrischen Onkologen - allen voran Prof. Giuseppe Masera, Prof. Andrea Biondi, Univ. Kinderklinik
Milano-Bicocca, Monza, Prof. Fulvio Porta, Präsident der
italienischen Gesell. für pädiatrische Hämato-Onkologie
- und lokalen Organisatoren - wie Maria Teresa Bormetti, Dr. Ruggero Remondi und dem koordinierenden Bergführer Andrea Faustinelli - getragene Initiative präsentiert. Die
jungen Teilnehmer erzählten dem Publikum ihre ersten
Eindrücke von der Tour, untermauert von beeindruckenden
Schnappschüssen.
Nachdem bei der diesjährigen Ponte di Legno-Bergtour erstmalig auch zwei österreichische ehemalige Kinderkrebspatienten zur Teilnahme eingeladen worden waren, war dies auch Anlass, das EU-Projekt DIRECT: "Forschen heilt Krebs" und die dabei integrierte Survivors' Großglocknertour 2009 zu präsentieren.
Der Kreis schließt sich: Aktionen in Italien, Österreich und Frankreich
Und hier schließt sich der Kreis. Die Idee, eine Großglocknertour in Österreich zu organisieren, hatte im 2003 gestarteten italienischen Projekt "Scalare il proprio Everest" von Prof. Masera seine Wurzeln.
2006 gingen in einem Gemeinschaftsprojekt des St. Anna Kinderspitals und des Landesverbandes der Kinder-Krebs-Hilfe für Wien, NÖ und Burgenland Elterninitiative erstmals ehemalige Kinderkrebspatienten (Survivors) auf den höchsten Berg Österreichs. 2009 konnte die Großglocknertour dank EU-Förderung und hilfsbereiter Sponsoren erneut durchgeführt werden.
2010 ist es gelungen, italienische und österreichische Kinder und Jugendliche, die ein schweres Schicksal und eine ungemein positive Lebenseinstellung verbindet, gemeinsam zu "ihrem persönlichen Everest" zu begleiten.
Auch in Chamonix, Frankreich, läuft ein seit Jahren etabliertes psychosoziales Nachsorge-Projekt, genannt "A Chacun son Everest!" (Jedem sein Everest).


