Inhalt
Psychosoziale Belastungen
Letzte Aktualisierung am: 19.02.2009
Aus der Sicht einer jungen Betroffenen:
„Viele
ehemalige Kinder-Krebs-PatientInnen leiden noch lange und teilweise
auch lebenslang an sogenannten Spätfolgen. Diese können aber
sehr unterschiedlich aussehen. Wir möchten uns medizinisch gut
aufgehoben wissen, auch Jahre nach der Erkrankung. Darüberhinaus
möchten wir gleiche Chancen, Möglichkeiten, Rechte wie andere
Gleichaltrige. Wie wir wahrgenommen werden möchten? So normal wie
möglich, mit so viel Rücksicht wie nötig.“
Dorothee Schmid, Langzeit-Überlebende aus Tübingen, Deutschland.
Diplom-Psychologin, Mitgestalterin von Mentoren-Programmen für
ehemalige Kinder-Krebs-Patienten, Mitorganisatorin von
Freizeit-Programmen für krebskranke Kinder zwischen 7 und 15
Jahren
Mit fünfzehn Jahren an einem Dysgerminom (= bösartiger Tumor
am Eierstock), mit 26 Jahren an einem Melanom (Hautkrebs) erkrankt.
Heute geheilt.
Präsentation von Dorothee Schmid „Kontrolle und Nachbetreuung aus Sicht einer Patientin“
Bereits während dem oftmals monatelangen Krankenhausaufenthalt erleben die jungen PatientInnen eine schmerzlich-empfundene Isolation von ihrer gewohnten Umwelt. Als Folgen der Therapie erfahren sie nicht nur körperliche Unzulänglichkeiten, wie z.B. Haarverlust, Erbrechen, Müdigkeit, Aufgeschwemmtsein im Gesicht, und Schmerzen, sondern auch den Verlust sozialer Kontakte und Freundschaften.
Die mit der Krankheit verbundenen Trennungserfahrungen, Schmerzen und das Leid können die seelische Entwicklung eines Kindes verändern. Die schwere körperliche Erkrankung schränkt die Patienten auf jeder Entwicklungsstufe ein.
Noch Jahre nach der Erkrankung leben die jungen Betroffenen mit der Unsicherheit möglicher Spätfolgen und der Angst vor einem Rückfall.
Die Krebserkrankung bleibt zumeist, auch wenn sie lange zurückliegt, ein integraler Bestandteil der jungen Menschen.
Ein falsches Bild in der Gesellschaft und Diskriminierung
blockieren die ehemaligen Kinderkrebs-PatientInnen oftmals auf ihrem Weg zurück ins normale Leben. Der uneingeschränkte Zugang zu Bildung, Jobs und beispielsweise Zusatzkrankenversicherungen und Lebensversicherungen mit Ablebensschutz sind für ehemalige Kinder-Krebs-PatientInnen keinesfalls selbstverständlich.
Nach Bewältigung ihrer schweren Erkrankung behandelt man die jungen Menschen beim sozialen Miteinander, in der Schule, an der Universität, bei der Arbeitssuche oftmals weiterhin als Kranke.
Der primäre Grund für die Ausgrenzung
Die Gesellschaft traut ehemaligen, mittlerweile erwachsenen Kinder-Krebs-PatientInnen oftmals nichts zu. Sie bekommen die Härten des Alltags doppelt und dreifach zu spüren: sie verlieren ihre Freunde, weil sie zu lange weg waren, sie verlieren den Anschluss in der Schule durch die langen Klinikaufenthalte.
Potentielle Arbeitgeber
bevorzugen oftmals bei Jobbewerbern Gesunde gegenüber jenen mit den gleichen Qualitikationen, die aber in jungen Jahren eine Krebserkrankung hatten.
Versicherungsanbieter
denken bei ehemaligen Kinder-Krebs-PatientInnen automatisch an ein erhöhtes Gesundheits-Risiko. Dies erschwert wiederum die Chance, bei Banken einen Kredit zu bekommen.
Infomaterialien
„Das Psychosoziale Betreuungskonzept der pädiatrischen Onkologie des St. Anna Kinderspitals“, von Dr. Reinhard Topf et al., St. Anna Kinderspital, Wien
„Psychosoziale Aspekte des krebskranken Kindes und seiner Familie“, von Dr. Reinhard Topf et al., St. Anna Kinderspital, Wien
Die Bedeutung der kindlichen Krebserkrankung aus psychosozialer Sicht, spezielle psychosoziale Probleme aufgrund der Behandlungsverfahren, aber auch Belastungen für die Eltern, Geschwisterkinder und für die Partnerschaft werden beleuchtet.
„Psychotherapie – Hilfe für Menschen mit psychischen Belastungen? Ein psychotherapeutisch begleitetes Camp für ehemals krebskranke Jugendliche. Ein Projekt der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe“, Die Diplomarbeit von Mag. Manuel Zeitler ist auf dieser Website verfügbar.
Lesen Sie hierzu auch den Artikel "Das Leben unterbrechen. Psychosoziale Faktoren bei Krebs im Jugendalter", erschienen in der Zeitschrift die SONNE der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe (SONNE 3/2009, Seiten 6-8).
Auszug:
Das Teenageralter und die Zeit als junger Erwachsener ist ein ganz spezieller, aber auch schwieriger Lebensabschnitt: Der Körper verändert sich mit der sexuellen Reife, die Geschlechterrollen wandeln sich. Zudem müssen Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden - Ausbildung, Berufswahl, vielleicht eine Familiengründung. Auch die Abgrenzung von der Herkunftsfamilie und das Selbstständig-Werden sowie die Identitätsfindung fallen in diese Zeit. Eine Krebserkrankung unterbricht diese Entwicklung abrupt und brutal. Ein Bericht von Jolande Peck-Himmel
Erfahrungsberichte
„Erfahrungsbericht unter psychologischen Aspekten anhand eines Fallbeispieles: Krebserkrankungen einer Jugendlichen“, von Klara Gstir. Die Fachbereichsarbeit aus Psychologie und Philosophie ist auf dieser Website verügbar
„Leukämie im Kindesalter“ eine Fachbereichsarbeit von Willi Michaela, 2006, mit Erfahrungsberichten über das Leben zweier Kinder-Krebs-PatientInnen während und nach der Therapie ist auf dieser Website verfügbar
"Aufgeben gibt's nicht." Geschichten, Gedichte, Bilder von krebskranken Kindern und Jugendlichen und Kinderkrebs-Survivors.
Mit diesem Buch, herausgegeben von der Deutschen Kinderkrebsstiftung, der Kinderkrebshilfe Schweiz und der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe, soll auf die Situation krebskranker Kinder und Jugendlicher aufmerksam gemacht werden. Ziel ist es, diesen jungen Menschen eine gleichberechtigte Zukunft zu bieten. Beim Lesen der Texte wird bewusst, wie unterschiedlich jeder einzelne seine Krankheit erlebt und damit umgeht.
Gegen eine freiwillige Spende kann das Buch bei der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe via Email bestellt werden : oesterreichische@kinderkrebshilfe.at


